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Öffentlichkeitsarbeit/Brücke zur Jugend/Brücke zur Jugend, Juni 06

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Zeitungsartikel: Höfner Volksblatt, 9. Juni 06

Welche Berufswünsche haben Jugendliche und wie sieht die Berufswahl in Wirklichkeit aus?

Pfäffikon. – Jugendliche aus der 3. Real beschreiben auf dieser Seite ihre persönlichen Gedanken über ihren Weg zur Berufswahl und die Suche nach einer Lehrstelle. Eigenschaften wie Motivation, Flexibilität und Ausdauer sind aus ihrer Sicht Voraussetzungen, um den Einstieg in die Arbeitswelt zu schaffen.

Mein Traumberuf
Wie jedes andere Kind hatte ich einen Wunschberuf, der nicht in Erfüllung ging. Ein «Model» wollte ich immer werden, doch das ist nicht so einfach, weil man für diesen Beruf gross, dünn und hübsch sein muss. Doch es hat sich nicht viel geändert. Damit meine ich, dass ich immer noch etwas mit Mode machen, doch kein «Model» mehr werden will.
Mein Traumberuf ist jetzt Detailhandelsfachfrau. Eine Lehrstelle für diesen Beruf zu finden, ist recht schwer. Bis jetzt habe ich etwa 50 Bewerbungen geschrieben, doch immer noch keine Lehrstelle gefunden.
Eine Lehrstelle für den Traumberuf zu finden, ist wirklich schwer. Man sollte nicht nur für den Traumberuf Bewerbungen verschicken,wenn man aber nur das will, dann bekommt man
wirklich sehr schwer eine Lehrstelle. Man sollte sich auch für andere Berufe bewerben, die auch etwas mit dem Verkauf zu tun haben. Das Schnuppern ist auch sehr wichtig, weil man
dann auch den Beruf besser kennen lernt. Doch nach all meinen Bemühungen kann ich meinen Traumberuf bislang nicht erlernen. Bis jetzt habe ich keine Lehrstelle, doch ich bin noch auf der Suche, damit ich nach den Sommerferien nicht zu Hause herumsitzen muss.
Lejla Kastrati, 16, Real 3b, MPS Leutschen Freienbach

Mein Wunschberuf früher und jetzt
Als ich ein Kind war, wollte ich ein Fussballstar werden. Das war auch mein Wunschberuf. Mein Vorbild war Ronaldo. Es hat sich viel verändert, ich sah ein, dass es ein langer Weg ist, um ein Fussballstar zu werden. Mein Cousin macht eine Lehre als Heizungsmonteur und erzählte mir etwas über den Beruf. Ich war begeistert. Das hat mir sehr gefallen, und ich möchte diesen Beruf erlernen.Eigentlich habe ich nicht so viel unternommen, geschrieben habe ich etwa 20 Bewerbungen und absolvierte einen Multi-Check als Detailhandelsfachmann. Geschnuppert habe ich in den Berufen Schreiner, Sanitär und Heizungsmonteur. Mir gefielen alle Berufe. Am meisten gefiel mir Heizungsmonteur wegen des Schweissens.
Einen Tag war ich auch an einem Orientierungstag beim BIZ und als Heizungsmonteur bei der Firma Dorigo. Als ich schnuppern war, habe ich mich einfach selbst präsentiert und gut gearbeitet, so wie die Arbeitgeber es erwarten. Zuerst hatte ich grosse Angst, dass ich keine Lehrstelle finde, weil das heute sehr schwer ist. Alle sagten mir, dass ich keine finden werde. Zum Glück kann ich eine Lehre bei der Firma Abegg als Heizungsmonteur machen. Ich bedanke mich sehr bei Herrn Abegg und natürlich bei Gott. Mein Traum ist, meine Lehre gut abzuschliessen, Weiterbildungen zu machen und eine eigene Firma zu gründen.
Heset Saqipi, 16, Real 3b, MPS Leutschen Freienbach

Meine Gedanken zur Berufswelt
«Was willst du werden,wenn du gross bist?» Diese Frage wird einem als Kind immer wieder gestellt. Wenn man klein ist, wird einem vermittelt, dass man alles erreichen könnte. Als Kind war es mein Wunsch, Tierärztin zu werden. Heute weiss ich, dass ich das nicht mehr werden kann. Mein heutiger Berufswunsch ist medizinische Praxisassistentin (MPA). Ich arbeite hart, damit ich dieses Ziel erreichen kann.Alleine fürs 2006 habe ich 120 Bewerbungen geschrieben. Bei vier Ärzten war ich in der engeren Auswahl, bis ich Telefonate von Ärzten entgegen nehmen musste, die mir die Stelle nicht anbieten konnten.  Einer meinte sogar, es sei rufschädigend, eine Realschülerin auszubilden. Ich habe nicht aufgegeben und weiter an meinem Ziel gearbeitet. Inzwischen habe ich einen Platz im 10. Schuljahr bekommen. Es ist zwar nicht mein Berufswunsch, aber ein gutes Überbrückungsjahr, um noch etwas Zeit zu haben, meine Wunschlehrstelle zu suchen. Ich finde, jeder Betrieb sollte gezwungen sein, einen Lehrling auszubilden, dann hätte jeder eine Chance, seinen Wunschberuf zu erlernen.
Grace Walser, 16, Real 3b, MPS Leutschen Freienbach

Mein zwei Jahre langer Weg
Früher wollte ich immer Zahnarzt werden. Etwas später war es Architekt, und in der ersten Oberstufe gab es für mich nichts anderes als Sportartikelverkäufer. Jetzt habe ich den Lehrvertrag als Sanitär unterschrieben. Doch bis dorthin war es ein langer Weg.
In der 1. Real habe ich mich mit meinem Klassenlehrer überhaupt nicht verstanden. Darum entschied ich, die 1. Real zu wiederholen. Die Schule fiel mir jetzt viel leichter, da ich schon alles durchgenommen hatte. Also konzentrierte ich mich ganz auf die Suche nach einer Lehrstelle. Für mich gab es damals nichts anderes als Sportartikelverkäufer. Irgendwie konnte ich aber nicht beurteilen, ob dieser Beruf wirklich derjenige war, den ich ausüben wollte. Also beschloss ich, meinen Horizont etwas zu erweitern.
Der nächste Schritt auf meinem Weg war der Orientierungstag bei Geberit. Dort wurde uns die ganze Firma gezeigt und erklärt. Dazu auch, welche Berufe man dort erlernen kann. Etwas später ging ich in den Ferien beim Betrieb Abegg als Sanitär schnuppern. Um noch einen anderen Beruf kennen zu lernen, schnupperte ich noch als Schreiner. Ich konnte mich immer noch nicht entscheiden. Also schnupperte ich nochmals als Sanitär bei Hiestand und Co.
Der Lehrmeister war sehr zufrieden mit mir und meinte, ich hätte gute Chancen bei ihm, wenn ich eine Bewerbung schreibe. Mir gefiel diese Arbeit dort nicht schlecht, also schrieb ich die Bewerbung. Vor der Zusage musste ich einen Test absolvieren. Bei dem Test schnitt ich nicht so gut ab. Herr Hiestand sagte mir aber trotzdem zu. Ja, und jetzt gehöre ich zu den Glücklichen.
Seitdem ich aber den Lehrvertrag unterschrieben habe, mache ich mir viele Gedanken, ob dies wirklich die richtige Entscheidung war. Doch die Berufswelt wird auf mich zukommen wie auf jeden anderen auch. Mein Ziel in diesen drei Jahren ist es, immer gut mitzukommen und die Lehre abzuschliessen.
Christian Fürst, 17, Real 3b, MPS Leutschen Freienbach

Vom Traum zur Wirklichkeit
Seit meiner Kindheit wollte ich Fussballprofi werden. Es gefiel mir,weil es mein Hobby und als Fussballer dann gleichzeitig mein Beruf gewesen wäre. Doch als ich älter wurde, merkte ich, dass es gar nicht so einfach ist. Deshalb habe ich die Hoffnung aufgegeben und spiele nur noch ab und zu mit Kollegen. Momentan bin ich in der 3. Realklasse bei Barbara Ardizzone und immer noch auf der Suche nach einer Lehrstelle, aber bisher ohne Erfolg. Meine Suche startete ich in den Branchen der Haustechnik und des Verkaufs, also genauer gesagt als Sanitär und Heizungsmonteur sowie als Detailhandelsfachmann. Mittlerweile habe ich schon gut 42 Bewerbungen geschrieben und war schon an drei Orten schnuppern. Jetzt bin ich gleichzeitig noch auf der Suche nach einer Praktikumsstelle, weil ich mich für das Berufseinführungsjahr angemeldet habe. Meiner Meinung nach gibt es zu wenige Lehrstellen in der Gemeinde Freienbach. Meinem Empfinden nach müssten mehr Firmen Lehrlinge ausbilden, dann hätten wir keine Probleme mehr bei der Lehrstellensuche.
Klaiqi Lumbardh, 15, Real 3b, MPS Leutschen Freienbach

Mein Wunsch wäre Polygrafin
Ich bin 15 Jahre alt und in der 3. Realschule. Ich habe mich schon für viele Berufe beworben. Mein Wunsch wäre es, Polygrafin zu lernen. Etwas Kreatives würde mir zusagen. Ich zeichne, male und bastle gerne. Das würde ich auch gerne in einem Beruf machen. Als Polygrafin gibt es leider nur noch wenige freie Lehrstellen. Es hiess aber auch schon, dass nur Sekundarschüler willkommen seien. Ich hätte darum sowieso keine Chance.
Das finde ich selber nicht so gerecht. Natürlich ist ein Sekundarschüler schneller und hat vielleicht ein besseres Aufnahmevermögen. Trotzdem könnte man einem Realschüler auch eine Chance geben und dann erst entscheiden, ob er für den Beruf geeignet ist oder nicht. Denn ich denke, auch ein Sekundarschüler kann nicht in jedem Beruf gut sein.
Mein Wunschberuf als Kind war Künstlerin. Das ist heute noch so. Nicht wegen der Berühmtheit , sondern weil ich es aus Leidenschaft gerne mache. Ich würde mich auch sehr gerne mit Tieren abgeben. Aber Tierärztin könnte ich nicht sein, denn ich kann keinem Tier eine Spritze geben oder sonst etwas zu Leide tun, auch wenn ich wüsste, dass es ihm nicht schaden würde. Natürlich werde ich mich auch für andere Berufe bewerben, so zum Beispiel im Verkauf.Auch wenn ich nicht mehr so viele Ferien haben werde wie in der Schule, wird das Berufsleben sicher interessant und spannend.
Ramona Wirth, 15, Real 3b,MPS Leutschen Freienbach


Die Stimme der Jugend
Ohne Werbung kein Umsatz, ohne Bewerbung kein Ausbildungsplatz: Danke für die Lehrstellenaktion des «Höfner Volksblatts», die zeigte, dass wir es Ernst meinen mit: «Unsere Jugend – unsere Zukunft!». Es gab bereits positive Echos von Firmen.
Von Armand Pirovino*

Auch diese Seite gehört den Jugendlichen, die bald als Gewerbler, Politikerin, Facharbeiter, Unternehmerin tätig sind. Das Bild von der «verwöhnten, handysüchtigen und gewalttätigen Jugend» ist bei mir die Ausnahme. Entmutigt, schulmüde eher noch, wie ich dann versuche, ihnen klarzumachen. Mit der «faulen Jugend» kann man halt an Stammtischen besser rumpoltern als mit Grace oder Heset und ihren Kollegen.

Seis drum. Es gibt nur zwei Wege: Entweder bieten wir denen Hand, die sich echt und dutzendfach bemühen, ein «Oasen-Plätzchen» zu finden, oder wir finden wortreiche «Gründe», ihnen den Eintritt in unsere Gesellschaft zu verwehren. Die Folgen der zweiten Variante sind bekannt. Und um ein Vielfaches teurer.Wenn sich die Jungen allerdings selber im Wege stehen, sich die Brücken für ihre eigene Zukunft zerstören, müssen wir ihnen diesen Spiegel auch vorhalten. Scherben muss es dabei nicht zwingend geben.

Erfreulich: In unserem Kanton und landesweit ist wieder ein neuer Rekord von Lehrverträgen in Sicht. Hans Ulrich Stöckling, der Präsident der Schweizer Erziehungsdirektorenkonferenz, hat dies in einem Interview betont. Vergessen wir aber nicht: Früher bekamen viele Jugendliche einen Arbeitsplatz ohne Ausbildung angeboten, und manches Mädchen gab sich mit einem Haushaltlehrjahr zufrieden. Wo gibt es diese Hilfsarbeiterjobs heute? Sie wären
auch keine Basis für eine berufliche Zukunft.Waren sie es früher? Zudem: Gehen Sie mal mit elf Jugendlichen in ein Sportgeschäft Fussballschuhe kaufen.Wenn dort elf Paare stehen, werden einige beim Match nicht mitspielen. Nicht mal im Grümpi! Und aus Bundesbern kommen soeben noch andere Zahlen: Weit über 20 000 Jugendliche sind noch auf der Suche, und es gibt deutlich unter 20 000 freie Lehrstellen. Erfreulich dafür: Bei meinen kürzlichen Besuchen von Schnupperlehrlingen durfte ich in einigen Betrieben hören, dass die Lehrlingsausbildung für sie ein Thema werden könnte: Der Sommer kommt immer wieder. Nur den Glauben an das Gute nicht verlieren!

*ARMAND PIROVINO-HONEGGER IST BERUFS- UND LAUFBAHNBERATER IN PFÄFFIKON.


Das Neuste in Kürze


Openair
Morgen Samstag findet auf dem Freizeitplatz Brüel in Pfäffikon ein Openair statt (bei schlechtem Wetter in der Turnhalle Brüel). Von 15 bis 23 Uhr bieten Jugendliche aus der Region Kurzkonzerte in verschiedenen Musikstilen sowie Tanzperformance. Das Openair wird mit einem Graffiti Act, verschiedenen Essständen und coolen Cocktails von der «zero limit bar» gekrönt. Um 18.15 Uhr sind alle herzlich zum Abschieds-Apéro der Jugendarbeiterin Gabriella Maspoli eingeladen.

Letzte Disco-Party
Am Freitag, 16. Juni, findet im «Uprock» des Jugendzentrums die letzte Disco-Party vor den Sommerferien statt. Ein Team von zehn Jugendlichen und die Jugendarbeiterin organisieren die Party, die von 20 bis 24 Uhr dauert. Jugendliche von 13 bis 17 Jahren sind eingeladen, zu Hip-Hop, House und R&B-Musik abzutanzen. Sommerpause im Jugendzentrum Das Jugendzentrum in Pfäffikon macht vom 1. Juli bis 31.August Sommerpause und bleibt während dieser Zeit geschlossen.

«Switch»-Café geöffnet

Das «Switch»-Café ist am Freitag, 30. Juni, von 18 bis 22 Uhr ausnahmsweise geöffnet. Grund: Wir feiern zusammen den letzten Öffnungstag und den letzten Arbeitstag von Jugendarbeiterin Gabriella Maspoli.


Über diese Seite
«Brücke zur Jugend» erscheint heute zum dritten Mal. Die Jugendkontaktstelle der Gemeinde Freienbach hat Jugendlichen aus der 3. Realschule in dieser Ausgabe die Möglichkeit gegeben, selber über Wünsche und Wirklichkeit bei der Suche nach einer Lehrstelle zu schreiben. Berufsberater Armand Pirovino ergänzt den Text mit seinem Kommentar. (asz)


Impressum
Verantwortlich für den Inhalt dieser Ausgabe: Jugendkontaktstelle der Gemeinde Freienbach
Redaktoren: Gabriella Maspoli, Armand Pirovino
Bild: Jugendzentrum



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