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 Öffentlichkeitsarbeit/Brücke zur Jugend/Brücke zur Jugend, Februar 06



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Zeitungsartikel: Höfner Volksblatt, 10. Februar 06
Kommunikation unter und mit Jugendlichen ist der Weg, um miteinander in Kontakt zu treten. Ein Weg, der oft missverstanden und unterbrochen wird oder unverständlich ist. Was steckt hinter diesem Wort und macht es so kompliziert? * von Gabriella Maspoli
Durch Worte ist es möglich, Meinungen zu äussern und gleichzeitig dem Empfänger die eigene Botschaft zu senden. Kommuniziert wird aber nicht nur mit Worten, Kommunikation ist auch mit der nonverbalen Sprache gekoppelt. Diese äussert sich beim Senden von Information durch die Gestik, Mimik und im Ton, der die Aussage begleitet. Jugendliche sind von diesen Mechanismen nicht verschont. Wie die Erwachsenen benützen auch sie diese drei Elemente beim Kommunizieren. Gerade in der Adoleszenz-Phase beobachtet man bei den Jugendlichen eine Form der Kommunikation, die oft für Erwachsene unverständlich ist und auch Erstaunen weckt. Dazu reduziert sich die Kommunikation mit den Erwachsenen oft auf das Wesentliche. Ganz natürlich für ein Alter, in dem Jugendliche sich langsam von den Eltern und vom Kindsein abgrenzen möchten und das Bedürfnis haben, ihre eigene Selbständigkeit zu finden und langsam in die Erwachsenenwelt einzutreten. Trotzdem ist ihre Art zu kommunizieren vielfältig, klar und intensiv.
Wege der Kommunikation Intensiver, aber auch oft unbewusst, kommunizieren Jugendliche mit ihrem Körper. Ihre Präsenz im öffentlichen Raum, ihr Ausdruck beim Tanzen, ihr Kleidungsstil, verschlüsseln klare Botschaften von Meinungen, Zugehörigkeit und Vorlieben. Dazu kommt das Benutzen von Worten mit einer vielfältigen Palette von Bedeutungen. Einerseits beobachtet man unter ihnen oft die Anwendung eines eigenen Wörterbuchs. So heisst «S Konzert isch voll fett gsi» eigentlich «das Konzert ist super gewesen». So gibt es tausende anderer Beispiele. Zum Erstaunen der Erwachsenen erfinden Jugendliche innovativ neue Wörter, die plötzlich Bestandteil ihrer Sprache werden. Anderseits kommunizieren sie auch durch die Musik, indem sie selber komponieren oder texten, durch die Schrift beim geliebten Chatten, durch Abbildungen und Sprüche an Wänden und nicht zu vergessen mittels Spruchbändern an Sportanlässen. Eine Art der Kommunikation, die nicht immer verständlich ist, oft auch missverstanden wird, die aber immer klare Botschaften beinhaltet, die wiederum decodiert werden müssen.
Kommunikation von Jugendlichen verstehen In der Arbeit mit Jugendlichen ist es notwendig, sich bewusst zu sein, wie die Inhalte der Kommunikation funktionieren, aber auch, wie Jugendliche unter sich und mit Erwachsenen kommunizieren. Die Kommunikation unter den Jugendlichen selbst kann dann besser verstanden werden, wenn man sie zu decodieren versucht. So wie man beim Ansehen einer verschlüsselten Werbung versucht, die Botschaft zu entschlüsseln, kann man die gesendeten Informationen auch bei Jugendlichen decodieren lernen. Ausserdem sollte man sich immer wieder den von ihnen angewendeten Wortschatz erklären lassen, ihre Körpersprache mit ihrer Vielfalt verbinden und den Ton an die Situation koppeln. Dies vermeidet viele Missverständnisse und hilft, sie als Einzelne oder Gruppe besser wahrzunehmen.
Jugendarbeit und die Vielseitigkeit der KommunikationDie Kommunikation muss fliessen, also vom Sender zum Empfänger gehen und wieder retour kommen. Dies ist in der Jugendarbeit nur möglich, wenn man die Vielfalt ihrer Kommunikationsarten auch für eigene Botschaften an sie anwendet. Also bildet das Benützen von verschiedenen Medien wie CDs, Internetseiten, Flyer, Fotos und Postkarten innovative Wege durch kurze und verschlüsselte Sprüche, aber auch durch klare und direkte Sprache, eine grosse Palette, die die Kommunikation zu ihnen vereinfacht. Manchmal kommt eine gute, eingepackte Botschaft besser an, als eine direkte – und umgekehrt. Hier ist also nicht mehr nur eine Vielfalt von Sprache gefragt, sondern auch eine gute Fähigkeit, innerhalb einer Sprache vernetzt zu interpretieren, sie zu decodieren und die richtige Kommunikationsart zu wählen, um verstanden zu werden.
*GABRIELLA MASPOLI IST SOZIOKULTURELLE ANIMATORIN AUS ZÜRICH UND LEITET DIE JUGENDKONTAKTSTELLE UND DAS JUGENDZENTRUM DER GEMEINDE FREIENBACH.
Fast immer erreichbar Porträt eines Jugendlichen aus der Oberstufe Freienbach
Mit Chatten und Surfen im Netz erreicht man sehr schnell die gewünschten Leute. * von Martin Angehrn
Murat Pekdemir ist Türke und wohnt in Pfäffikon. Er ist 16 Jahre alt und besucht die Realschule in Freienbach. Er kommt seit drei Jahren regelmässig ins Jugendzentrum der Gemeinde Freienbach. Dort verbringt er sehr viel Zeit im Internetraum oder im DJ-Raum der Jugenddisco «Uprock». Hier geht er seinen Lieblingshobbys nach, dem Auflegen, Chatten und Surfen. Murat kennt fast niemanden, der keinen Computer zu Hause hat. Das Medium Computer bietet ihm viele Möglichkeiten, sein Hobby so richtig auszuleben. Seit zwei Jahren ist er einer der DJs, die an Partys im «Uprock» auflegen können. Das macht ihm mächtig Spass. Dafür hat er einen DJ-Kurs absolviert. Das Medium Computer ist ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. So verbringt er viel Zeit im Netz, um mit anderen DJs zu kommunizieren, das heisst, Tipps weiterzugeben, Erfahrungen auszutauschen und natürlich auch Musik runterzuladen und diese dann zu verarbeiten, damit er an den Partys immer auf dem neusten Stand ist. Für den Musik-Download sitzt er täglich bis zu zwei Stunden bei sich zu Hause vor dem Computer. Seit zwei Jahren ist Murat häufig im Internetraum des Jugendzentrums anzutreffen. Dort hat man die Möglichkeit, eine Stunde gratis im Netz zu sein, nachdem man sich im Büro angemeldet hat. Er verbringt sehr viel Zeit auf Internet-Seiten anderer DJs und schreibt Einträge in deren Gästebücher. So ist er immer in Kontakt mit ihnen. Aber auch für die Lehrstellensuche im Netz investiert Murat viel Zeit. Es ist für ihn eine Möglichkeit, diverse Anbieter von Lehrstellen anzuklicken und sich dort zu informieren. Durch das MSN kontaktiert er regelmässig seine Kollegen. Da wird geplaudert, abgemacht, und es werden Infos ausgetauscht. Es sei wie eine eigene kleine Welt, in der man hier miteinander spricht, sagt Murat. Hier kommunizieren sie in der Jugendsprache, die für manchen Erwachsenen unverständlich ist.
Mit dem Natel erreicht man fast alle Ein anderes Kommunikationsmittel, das er fast noch häufiger benutzt als den Computer, ist das Natel. Da fast jeder in der Schule, im Freundeskreis und in der Familie ein Natel besitzt, ist es ein Mitteilungsmedium, das nicht mehr wegzudenken ist. Es gibt jedem ein Stück Unabhängigkeit, erlaubt es doch immer und fast überall, sehr schnell in Kontakt zu anderen zu treten. So benutzt Murat das Natel, um vor allem mit seinen Freunden abzumachen. Es dient aber auch dazu, SMS zu schreiben, was die Natelkosten ein bisschen senkt. Er benutzt es auch für den Kontakt mit seiner Familie, Lehrern oder mit anderen Jugendlichen. Heutzutage wird per Natel oder SMS abgemacht. Es ist einfach der schnellere Weg, als bei den Jugendlichen vorbeizugehen oder zu warten, bis die Eltern nach Hause kommen. Doch auch für Murat ist das direkte Gespräch sehr wichtig. Er findet, dass durch die Medien, das Natel und den Computer sehr schnell der zwischenmenschliche Kontakt untereinander verloren gehen kann. Zum Abmachen oder für den Infoaustausch sind diese Medien ideal, aber sie ersetzen nicht die Gespräche, die er mit seinen Kollegen und Freunden sonst noch hat. Die Gespräche mit seinen Kollegen und Freunden seien meistens viel tiefgründiger und persönlicher, wenn wenn er sie direkt treffe, sagt Murat. Eine gute Mischung zwischen persönlichem Kontakt und der Möglichkeit, sich via Medium zu verständigen, sei für ihn das Optimale.
*MARTIN ANGEHRN IST JUGENDARBEITER DER GEMEINDE FREIENBACH.
Kommentar, von Christian Stauffacher Hey du Schlampe, chunnsch au mit?» Dieser Satz darf heute als nette, neckische Einladung für eine gemeinsame Aktivität unter jungen Menschen verstanden werden. Wir Erwachsenen sind entweder schockiert, brüskiert oder zumindest leicht verunsichert angesichts solcher Kommunikationsformen.
Tatsache ist, dass Jungen und Mädchen sich heute untereinander einer Sprache bedienen, die uns Erwachsenen verroht und unverständlich erscheint. Die Abgrenzung von den Erwachsenen ist eine wichtige Erscheinung während der Pubertät. Die Jugendlichen suchen das Eigene, wollen ihre Kultur entwickeln, die nicht von Erwachsenen besetzt ist. Die Sprache scheint ein Refugium zu sein, in das sich die Elterngeneration nicht vorwagt. Eine rohe, mitunter sexualisierte Sprache scheint eine Möglichkeit zu sein, sich abzugrenzen. Warum die Sprache? Ein Erklärungsansatz ist, dass die schnelllebige und multikulturelle Gesellschaft immer weniger entsprechende Nischen bietet. Jede trendige Freizeitbeschäftigung der Jugendlichen wird heute in Windeseile von der Unterhaltungs- und Bekleidungsindustrie aufgegriffen und für die zahlungskräftigere, erwerbstätige Bevölkerungsschicht aufbereitet. Das heisst, die Jugendlichen werden stets aufs Neue ihrer Ausdrucksmittel beraubt.
In diesem Zusammenhang wird auch von Juvenilismus gesprochen: die Erwachsenengeneration, die alles unternimmt, um dem Wunschtraum ewiger Jugend zu entsprechen. Einerseits ist es von Vorteil, wenn Väter und Mütter über die Interessen ihrer Kinder Bescheid wissen, Playstation und Snowboard können durchaus Anlass für mehr gemeinsame Unternehmungen und Gespräche sein. Andererseits braucht der Jugendliche Inhalte, mit denen er sich von der Erwachsenenwelt abgrenzen kann. Schleichend finden auch die Sprachgewohnheiten der jungen Menschen ihren Weg zu den Erwachsenen. Es werden eigens Wörterbücher herausgegeben, die uns diese Ausdrücke erklären.
Es ist wichtig, dass wir die Jugendlichen in ihren Grundanliegen ernst nehmen, ihnen zuhören und begegnen. Dazu gehört sicher, dass wir ihre Ausdrucksweise zu verstehen suchen; nicht aber um sie dann möglichst schnell zu kopieren. Vielmehr ist es wichtig, mit ihnen im Dialog zu stehen, sie auch mit den Sprach- und Verhaltensnormen des Erwachsenen- und Berufsalltags zu konfrontieren und sie damit partnerschaftlich zu begleiten.
*CHRISTIAN STAUFFACHER AUS SCHWANDEN GL IST ABTEILUNGSLEITER BILDUNG DER GEMEINDE FREIENBACH.
Neuigkeiten
«Mäuse, aufgepasst, jetzt wird gesurft!» Mit diesem Spruch wird auf die neue Homepage www.jugendarbeit-freienbach.ch aufmerksam gemacht. Ab Dienstag, 14. Februar, kann man auf dieser Webseite surfen, und sowohl Erwachsene als auch Jugendliche können sich über die Inhalte und Aktuelles der Jugendarbeit in der Gemeinde informieren. Diese Webseite soll eine Kommunikationsplattform sein, auf der die Art und Weise sowie die Schwerpunkte der Jugendarbeit zu lesen sind. Sie soll auch allen Jugendlichen die Möglichkeit geben, sich über laufende Projekte, Aktionen und Veranstaltungen, welche von den Jugendarbeitern mitorganisiert werden, zu informieren. Nicht zuletzt kann man auf dieser Homepage Fotos von vergangenen Partys und Veranstaltungen abrufen.
Schneller Kontakt Die Jugendarbeit in der Gemeinde Freienbach will mit dieser neuen Webseite die Bevölkerung so erreichen, dass die Kommunikation mit ihr vereinfacht ist und schneller der Kontakt stattfindet. Wer aber immer noch ein direktes Gespräch bevorzugt, kann die Jugendarbeiter unter der Telefonnummer 055 410 38 21 oder via E-Mail: jugendkontaktstelle@freienbach.ch für einen Termin erreichen.
Über diese Seite «Brücke zur Jugend» ist der Titel dieser neuen Zeitungsseite. Sie wird von der Jugendkontaktstelle der Gemeinde Freienbach gestaltet – in Zusammenarbeit mit verschiedenen Personen, die mit Jugendlichen arbeiten – und von Jugendlichen selber. Sie erscheint viermal pro Jahr und soll eine Informationsplattform für Erwachsene und Jugendliche bieten.
Impressum Verantwortlich für den Inhalt dieser Ausgabe: Jugendkontaktstelle der Gemeinde Freienbach Redaktoren: Gabriella Maspoli, Martin Angehrn, Christian Stauffacher Bilder: Jugendzentrum Jugendkontaktstelle
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