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Öffentlichkeitsarbeit/Brücke zur Jugend/Brücke zur Jugend Oktober 2008

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Saufen bis der Arzt kommt!

Die Worte Botellón, Massenbesäufnisse und Jugendalkoholismus sind seit Wochen in aller Munde. Obwohl kollektives (Über-)Betrinken weder eine neue Erscheinung ist, noch einzig und allein von der Jugend praktiziert wird, spaltet das Phänomen momentan die Nation und löst heftige Diskussionen aus.
Von Anina Peter *

Mittlerweile kennt wohl jeder die Geschichte des berühmt-berüchtigten Zürcher Botelóns in- und auswendig. Eine Horde Jugendlicher frönt hemmungslos „Freund Alkohol“ und das mitten in der Öffentlichkeit. Herr und Frau Schweizer sind sich uneinig ob dies nun eine Schweinerei sei oder eigentlich ein ganz normales Teenager-Verhalten. Die Einen meinen, dass die gesamte Jugend in eine Besserungsanstalt gehöre Andere reagieren mit einem Schulterzucken. Ereignisse à la Botellón, stellen sie fest, habe es auch in ihrer Jugendzeit schon gegeben und die Kids könnten sich einige Schlimmere Dinge einfallen lassen.

Recht haben sie, denn kollektives Besaufen ist weder neu, noch aussergewöhnlich – auch in Kreisen der älteren Generation. Man denke an Vereinstreffen, Firmenanlässe, Fasnacht, Chilbi – die Liste darf nach Lust und Laune weitergeführt werden. Nur kommt an diesen Veranstaltungen der Alkoholkonsum im Tarnmäntelchen und mit Künstlernamen daher und kann somit mit einfachen Begründungen entschuldigt werden – es geht ja um viel Wichtigeres als ums Trinken. Dass sich dabei jeder Zweite mehr hinter die Binde schüttet als ihm gut tut, ist nur ein negativer Nebeneffekt. Nebeneffekt? Faule Ausrede oder Feigheit? Lassen wir die Antwort mal offen.

Somit sollten die Botellóner eigentlich gelobt werden für Mut und Ehrlichkeit. Denn sicherlich kennen die meisten von ihnen die Folgeschäden von übermässigem Alkoholkonsum – mutig also, weil sie unbedacht die Schädigung ihrer Organe, des Gehirns, Kontroll- und Selbstverlust, sowie Abhängigkeitsgefahr in Kauf nehmen. Ehrlichkeit, weil sie offen dazu stehen, dass sie dieses Wochenende dem Alkohol widmen, und dass sie auch einmal zuviel trinken. Ab und zu auf jeden Fall. Denn wer jetzt mit der Aussage: „Wenn es doch nur einmal vorkommen würde! Die machen das alle drei Mal die Woche!“ kommt, ist auf dem Holzweg. Denn nicht nur repräsentieren die Botellón-Teilnehmer weniger als 1% der Schweizer Jugend, sondern auch der Alkoholkonsum unter Jugendlichen ist in den letzten 5 Jahren merklich zurück gegangen. Die Jugend sitzt also nicht so tief in der Tinte wie viele glauben.

So haben die Verfasser, der kürzlich durchgeführten „Eidgenössischen Jugendbefragung“ festgestellt, dass der Leistungswille und das Bildungsniveau der heutigen Jugendlichen sehr hoch seien. Dies zeigt sich unter Anderem am Ansturm auf Universitäten und Fachhochschulen, aber auch in der Herausforderung eine geeignete Lehrstelle zu finden, was ein immer härterer Kampf wird. Die Anforderungen an junge Leute steigen stetig - im Berufs- sowie Sozialleben – und der Grossteil der Generation meistert dies mit Bestnote. Das Ergebnis der Studie in Kurzform: Die Jugend von heute ist eine hart arbeitende, sozial kompetente, verantwortungsbewusste und hilfsbereite Generation, die aber auch an alten Werten wie Familie und Partnerschaft festhält. Also liebe Erwachsene, nur keine Sorge, auch die heutige Jugend wird erwachsen. Lasst sie also leben und auch einmal jung sein, denn dazu bleibt immer weniger Zeit und Raum.

Genau solchen Raum stellt die Gemeinde Freienbach den Oberstufenschülern mit der Jugendkontaktstelle zur Verfügung, wohlgemerkt mit striktem Alkohol- und Drogenverbot. Neben verschiedenen offenen Räumlichkeiten, werden den Jugendlichen auch Präventionsmöglichkeiten angeboten. Darunter Alkohol, Drogen und Aufklärung. Es wird in der Gemeinde aber auch aktiv Alkohol- und Drogenprävention  betrieben.  Unter anderem mit der „zero limit bar“ – ein Workshop- und Projektangebot zum alkoholfreien Drink-Mixen, welches die Jugendlich begeistert nutzen. Dazu kommen Präventionsworkshops in Klassen und an Veranstaltungen jeglicher Art. Wie’s aussieht erfolgreich… (siehe „Ein Problem mit Alkohol? Nein, ich habs ja im Griff!“)

*Anina Peter arbeitet 60% als Jugendarbeiterin in Ausbildung in der Jugendkontaktstelle der Gemeinde Freienbach.

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Ein Problem mit Alkohol? Nein, ich hab’s ja im Griff!

Von wegen wochenendlichen Alkohol-Exzessen kaum sind sie in der 1. Oberstufe! Die Besucher des Jugendzentrums in Pfäffikon scheinen Alkohol nicht viel abzugewinnen und auch von übermässigen Trinkern halten sie lieber Abstand. Trotzdem – ein Schlückchen hie und da gönnen sich alle. Die Jugendarbeitenden auf Stimmenfang.

Von Anina Peter

Gruppendruck und Spielverderber
Zwar haben die meisten der Jugendzentrum-Besucher schon Bekanntschaft mit Bier, Wein und Wodka gemacht, sich aber nicht wirklich damit angefreundet.  Kollegen, die sich regelmässig die Kante geben, haben aber alle. „Die trinken nur aus Gruppendruck, weil sie meinen dann besser und cooler zu sein. Das sind sie so aber auf keinen Fall, eher feige. Ich finde es total schade, dass die so denken und ehrlich gesagt auch ziemlich scheisse“ meint eine 3. Oberstüflerin. Ein anderes Mädchen stellt etwas resigniert fest, dass sie halt ab und zu als Aussenseiterin und Spielverderberin, die den Anderen die Laune verderbe dastehe, weil sie offen sage, dass sie Alkoholkonsum nicht unterstütze. „Die sagen, sie trinken weil sie gut drauf sind, meiner Meinung nach tun sie’s weil sie Probleme haben“ fügt sie an. Ein junger Pfäffikoner empört sich: „ Die denken wenn sie betrunken sind, dann seien sie „Öppert“ und ziehen los um auf Andere einzuprügeln! Von solchen Leuten halte ich lieber Abstand.“

Papas Schnaps und Gummibärli
Doch ein Schlückchen gönnen sich eigentlich alle ab und zu. Ungefähr einmal monatlich ist das Credo – aber nur wenig, bekräftigen alle. Einer meint dazu: „Was wir tun, kann man aber nicht Besäufnis nennen! Wir trinken ja nur wenig  – höchstens bis wir angetrunken sind.“ Bevorzugt werden süsse Sachen, vor allem Wodka-Mixe wie Gummibärli stehen hoch im Kurs. Aber auch Papas Schnaps oder Wodka pur wird genannt. Was erstaunt ist, dass mehrere der Jugendlichen den Alkohol von den Eltern frei zur Verfügung gestellt bekommen. Ansonsten dienen ältere Kollegen als Bezugsquelle oder gewisse Tankstellen, die für lasche Ausweiskontrollen bekannt sind. An die Getränke ranzukommen stellt das kleinste Problem dar.

Wissen wann genug ist
Probleme sehen die Jugendlichen eher in der Fähigkeit die eigenen Grenzen zu kennen. Eine Schülerin meint dazu, dass man ja schon trinken dürfe, aber man sollte sich unter Kontrolle haben und wissen wann’s genug sei. Die meisten in ihrem Alter könnten das aber nicht oder wollten es gar nicht, fügt sie an. Erschreckend ist, dass jede und jeder irgendeinen Bekannten hat, der schon mal nach einem Gelage von der Ambulanz abgeholt werden musste und den Magen ausgepumpt bekam. Ob es auch einmal sie treffen könnte? „Nein! Ich habe kein Problem mit Alkohol! Ich hab’s ja im Griff…“ unterstreicht Einer. Die Folgen von übermässigem oder langjährigem Alkoholkonsum kennen sie alle, sei es das abschreckende Beispiel des Dorfalkoholikers, Freunden, Eltern oder Präventionskampagnen. Erschreckend sei es, was Alkohol alles anrichten könne. Ein Mädchen ist überzeugt: „ Wenn ich 18 bin, hör ich sowieso ganz auf zu trinken – denn dann hab ich die Autoprüfung und werde bestimmt keinen Schluck mehr zu mir nehmen.“ Sehr vernünftig… ob sie wohl dabei bleibt?

*Anina Peter arbeitet 60% als Jugendarbeiterin in Ausbildung in der Jugendkontaktstelle der Gemeinde Freienbach.

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Midnight Projekte: Prävention durch Raum, Sport und Begegnung

Von Arun Müller *

Das Szenario gleicht sich: Samstagabend, Jugendliche wollen in den Ausgang, wollen etwas erleben. Nur, sind sie zu jung für die Disco oder fürs Kino reicht das Geld nicht aus. Auf sich zurückgeworfen hängen Jugendliche oft an öffentlichen Plätzen rum. Der ideale Nährboden für Probleme wie Gewalt, Vandalismus, Littering oder Suchtmittelgebrauch.
Um den Jugendlichen eine Alternative, einen Raum, für den samstäglichen Ausgang anzubieten, startete 1999 im Zürcher Sihlfeld zum ersten Mal Midnight Basketball, das heute noch Samstag für Samstag zahlreich frequentiert wird.
Inzwischen können Jugendliche vieler Gemeinden am Samstagabend bis tief in die Nacht hinein Sport treiben, so auch bald in Freienbach.
Die Wirksamkeit von Midnight Projekten als Präventionsprojekt ist eng verknüpft mit dem Gedanken der Befähigung, der hinter der Zusammenarbeit zwischen Jugendlichen und Erwachsenen steht. Etwas mitgestalten, neue Begegnungen machen, sich persönlich einbringen, für ein Team bedeutsam sein, das Zusammenspiel in der Gruppe mit seinen positiven und nervigen Seiten erfahren oder sich einfach in einer tollen Atmosphäre aufgenommen fühlen – all dies hilft Jugendlichen, ihre persönlichen und sozialen Fähigkeiten zu entwickeln.
Es überrascht deshalb nicht, dass an vielen Standorten vor allem Jugendliche, die von Lehrpersonen als so genannt „verhaltensauffällig“ eingestuft werden, sich für die Arbeit als Juniorcoachs interessierten und sich in dieser Funktion bewähren wollen. Und es erstaunt nicht, dass es immer wieder zu Rückmeldungen von Lehrpersonen kommt, die berichten, dass Jugendliche durch ihren Job als Juniorcoach im Midnight gelernt haben, positiver mit ihrer Energie umzugehen.
Die Grundregel der Midnight Projekte ist RESPEKT.
Respekt gegenüber Menschen, dem Material und insbesondere auch sich selbst und der eigenen Gesundheit gegenüber.
Suchtmittel üben auf viele Heranwachsende eine grosse Faszination aus. Verantwortliche von Midnight Projekten sind oft mit Jugendlichen konfrontiert die rund um die Anlässe rauchen Alkohol trinken oder kiffen wollen. Diese Auseinandersetzungen sind indes auch eine Chance, denn die jungen Menschen haben ein Recht auf diese Verhandlungen, damit sie spüren, dass es uns nicht egal ist, was sie tun. So lernen sie nach und nach einen eigenverantwortlichen Umgang mit sich und ihrer Gesundheit.

* Arun Müller arbeitet als Projektkoordinator des Projekts Midnight Ball.
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