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Öffentlichkeitsarbeit/Brücke zur Jugend/Brücke zur Jugend Juni 2007

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Brücke zur Jugend

«Brücke zur Jugend» erscheint zum sechsten Mal im Höfner und behandelt das Thema «Gewalt». Einerseits wird den Gründen nachgegangen, warum Jugendliche gewalttätig werden können, andererseits eine Umfrage unter Jugendlichen ausgewertet.


KOMMENTAR: WO JUGENDGEWALT BEGINNT

Von Franz Rutz*

«Aufschwung
beginnt im Kopf» war ein markanter Ausspruch, der vor Jahren an Plakatwänden prangte, als die Schweizer Wirtschaft darbte.

Und worin liegen
die Ursachen für Gewalt und Gewaltbereitschaft bei  unseren Jugendlichen? Etwa auch im Kopf? Unser Volksmund meint: Gewalt beginnt im Bauch! Sei es nun Kopf, Herz oder Bauch, Gewalt und Gewaltbereitschaft haben ihre Ursache in der Befindlichkeitslage eines Menschen. Beides beginnt innen und zeigt sich oft in dramatischer Weise im Aussen. Die Gesellschaft hat sich heute mehr denn je diesem wachsenden Problem zu stellen.

Etwas aussen zu
verbessern, was seine Ursache im Innern des Menschen hat, war schon immer eine enorm aufwändige und oft nie endende Sache. Auch die laufenden Diskussionen zum Thema «Gewalt» zeigen das deutlich. Ein Klima des Friedens, der Geborgenheit für jeden Einzelnen, der Harmonie und des Zusammengehörigkeitsgefühls zu schaffen, ist eine utopische Vorgabe. Und trotzdem sind wir überzeugt, dass wir alles daran setzen müssen, das gesellschaftliche Klima des Zusammenlebens zu verbessern. Ob wir das mehr mit restriktiven oder innovativen Mitteln tun wollen, bestimmen wir Bürger dieses Landes auch mit unserer politischen Einflussnahme.

Fakt ist: Jede
Form von Gewalt ist Ausdruck von Stress – und dieser verändert die Funktionsweise des Gehirns nachhaltig, lässt es einseitig und unausgeglichen funktionieren. Aber es gibt mentale Methoden, solche Defizite aufzufangen und eine ganzheitliche Entwicklung der Gehirnphysiologie sicherzustellen. Eine effiziente Bildung und Erziehung muss jedem Schüler einen einfachen Zugang zu einer solchen Entwicklung und zum individuellen Stressabbau ermöglichen. Tut sie dies nicht, verfehlt sie einen entscheidenden Auftrag, nämlich den, Schülerinnen und Schüler zu vollwertigen Mitgliedern unserer Gesellschaft werden zu lassen. Die Rechnung für ein eventuelles Versagen würden wir in den nächsten Jahren teuer bezahlen. Einige Privatschulen haben die Erfahrung gemacht, dass Stressabbau und Mentaltraining, als tägliches Pflichtfach eingesetzt, die Probleme von Gewalt und Gewaltbereitschaft stark eindämmen können (weitere Infos unter www.davidlynchfoundation.org ).

Gewalt beginnt wirklich
im Kopf. Lösungen genauso. Und gefragt ist eine Prävention, die bereits im Kopf der Jugendlichen beginnen muss.

*FRANZ RUTZ IST FACHPERSON FÜR SPEZIELLE SCHULFRAGEN DER GEMEINDE FREIENBACH, E-MAIL: SCHUL-FRAGEN@FREIENBACH.CH.
DAS BUCH ZUM THEMA
 


«Gewalt ist keine Lösung»

Die Jugendarbeiter der Gemeinde Freienbach haben im Jugendzentrum Jugendliche befragt, die das Jugendzentrum besuchen. Sie wollten von ihnen wissen, wie sie mit verbaler und physischer Gewalt umgehen. Die Aussagen spiegeln das Verhalten der heutigen Gesellschaft wider.

Von Verena Weber und Martin Angehrn

Pfäffikon.
– «Bei verbaler Gewalt versuche ich zu schlichten. Bei körperlicher Gewalt und wenn ich die Jugendlichen nicht kenne, schaue ich aber zu.» Gleich mehrere Jugendliche gaben diese Antwort. Eine Umfrage im Jugendzentrum der Gemeinde Freienbach hat ergeben, dass die meisten Jugendlichen bei Gewalt dazwischen gehen und schlichten würden, es jedoch Grenzen gibt, weil die Angst zu gross ist, dass man selber attackiert werden könnte oder die Opfer Fremde sind. Diese Aussagen spiegeln das Verhalten vieler Erwachsener wider, die Angst haben, Zivilcourage zu zeigen. Die Gründe für den Ursprung von gewalttätigen Situationen benennen die Jugendlichen unterschiedlich. Die Mehrheit sieht die Entstehungsgründe in gegenseitigen Provokationen und Beleidigungen.

Gewalt soll einschüchtern
Bei der Umfrage wurde zwischen verbaler und physischer Gewalt unterschieden. Bei körperlicher Gewalt versuchen Personen, andere Menschen zu schädigen. Dies führt oft zu Behinderungen, Verletzungen oder anderen körperlichen Schädigungen. Solche körperlichen Gewalthandlungen sollen einschüchtern, damit das Opfer nicht nach seinem eigenen Willen, sondern nach dem des Täters handelt. Bei der verbalen Gewalt wird das Opfer ausschliesslich durch Worte geschädigt. Der Täter beleidigt, beschimpft, bedroht, diskriminiert, belügt oder erpresst das Opfer mit Worten. Verbale Gewalt ist die Form der psychischen Gewalt, die am häufigsten zur Anwendung kommt. Das Empfinden von Gewalt ist je nach befragten Jugendlichen unterschiedlich. Für den einen ist Gewalt eine Schlägerei, für den anderen ist es schon Gewalt, wenn er von seinen Eltern lautstark kritisiert wird.

Versuchen zu reden
«Ich wurde noch nie Opfer, ich bin immer stärker gewesen», meinte einer der Jugendlichen. Mit dieser Aussage stand er aber bei der Umfrage allein da. Die meisten Jugendlichen waren bisher weder Opfer noch Täter von körperlicher Gewalt, einige jedoch von verbaler Gewalt. Viele der Jugendlichen versuchen, Streitigkeiten anders zu lösen und körperlicher Gewalt aus dem Weg zu gehen. Die meisten versuchen zu reden oder wegzugehen. Einer der Jugendlichen bringt es auf den Punkt: «Gewalt ist keine Lösung!» Auch das Meiden der Orte, an denen es öfters zu Gewalt kommt, ist ein Weg, Gewalt zu vermeiden. Dies fällt teilweise jedoch schwer, da fast alle der befragten Jugendlichen den Bahnhof, Bus oder Schulweg als Orte angeben, an denen sie schon Gewalt beobachten konnten. Bemerkenswert ist, dass es sich bei den von Jugendlichen erwähnten Plätzen um öffentliche Plätze handelt, an denen sich auch Erwachsene aufhalten. Die Jugendlichen scheinen zu spüren, dass sie auch in der Öffentlichkeit meist auf sich gestellt sind.

Beherztes Eingreifen ist gefragt
Damit spiegeln die Jugendlichen die Welt der Erwachsenen wider. Die Angst, Opfer von Gewalthandlungen zu werden, ist gleichermassen da. Auch in punkto Zivilcourage sind die Erwachsenen den Jugendlichen keineswegs voraus. Dass Gewalt keine Lösung ist, wissen viele. Gefragt ist jedoch das Handeln, ein beherztes Eingreifen, wenn Menschen Hilfe brauchen. Vor allem an öffentlichen Plätzen sollte man sich ohne Angst vor Übergriffen bewegen können, und zwar Jugendliche wie Erwachsene.



Wunsch und Wirklichkeit

Gewalt ist lernbar. Gewaltloses Verhalten auch. Aus diesem Grund ist eine früh einsetzende Prävention wichtig.

Von Verena Weber

Pfäffikon.
– Warum werden Jugendliche gewalttätig? Diese Frage kann nie ganz geklärt werden. Genauso gut könnte man fragen, warum die Mehrheit der Jugendlichen eben nicht gewalttätig wird, jeden Tag pünktlich in der Schule erscheint und Konflikte nicht mit physischer oder psychischer Gewalt austragen muss. Auch darauf kann keine befriedigende Antwort gegeben werden. Und das liegt wohl daran, dass das menschliche Verhalten nicht einfach vorherzusagen ist, da es keinem offensichtlichen Plan folgt. Es ist nicht möglich, die Reaktionen von Jugendlichen oder von Menschen generell in Ursache und Wirkung einzuteilen und diese so zu erklären.

Zu wenig emotionale Wärme
Es gibt viele Ursachen, die Reaktionen hervorrufen können. Diese Ursachen für gewalttätiges Handeln können in der Gegenwart oder in vor Kurzem Erlebten liegen. Eine Rolle spielen aber auch einschneidende Ereignisse in der Kindheit des Jugendlichen. Zu wenig elterliche emotionale Wärme während des Kleinkindalters oder Misshandlungen und Missbrauch im Umfeld des Kindes sind mögliche Ursachen, für spätere Gewalthandlungen eines Jugendlichen.

Dampf ablassen bringt nichts
Ein wichtiger Punkt ist, dass Gewalt lernbar ist. Gewalttätige Vorbilder und Erfolg bei der Anwendung von Gewalt können einen entsprechenden Lernprozess bei Jugendlichen auslösen. Dies kann durch Vorbilder aus Fleisch und Blut, aber auch durch virtuelle Vorbilder in Computerspielen oder im Fernsehen geschehen. Die Vorstellung, dass Gewalt ein Trieb ist, der befriedigt werden muss, ist weit verbreitet. Diese ist jedoch falsch. Gewaltbereiten Personen bringt es nichts, wenn sie «Dampf ablassen» können. Das Gegenteil ist meist der Fall. Dadurch kann die Aggressivität noch mehr ansteigen.

Mit Prävention früh beginnen
Es gibt kaum Jugendliche, die unvermittelt und plötzlich mit gewalttätigem Verhalten anfangen. In vielen Fällen kann davon ausgegangen werden, dass aggressives Verhalten in der Kindheit beginnt. Aus diesem Grund ist auch Prävention so wichtig. Und zwar eine Prävention, die früh genug ansetzt. Wichtig ist es, dass die Jugendlichen soziale Kompetenzen erwerben. Diese sind ein wichtiger Schutzfaktor gegen die spätere Entstehung von Gewalt. Dazu können nicht nur die
Eltern und die Familie etwas beitragen. Die ganze Gesellschaft kann als Vorbild die Jugendlichen unterstützen. Natürlich ist die Familie der Ort, an dem die Jugendlichen am meisten Zeit verbringen, vor allem in der frühen Kindheit. Aber auch die Schulen, Vereine und die offene Jugendarbeit können etwas zur Förderung der sozialen Kompetenzen von Jugendlichen beitragen. Nicht zuletzt, weil der erwachsene Teil der Bevölkerung eine wichtige Vorbildfunktion hat, denn Kinder lernen sehr viel beim Abschauen von den Erwachsenen.
Grundlage für diesen Artikel war das Buch von Josef Sachs «Checkliste Jugendgewalt» – Ein Wegweiser für Eltern, soziale und juristische Berufe. Das Buch ist eine Orientierungshilfe für Personen, die sich beruflich, privat oder auch in politischen Ämtern mit Jugendgewalt beschäftigen. Der Autor bietet einen Überblick über verschiedene Erscheinungsformen von Jugendgewalt. Das Spektrum reicht von häuslicher bis struktureller, von psychischer bis physischer Gewalt. Gegen 20 Manifestationsformen werden beschrieben. Jedes Kapitel beginnt mit einem Beispiel aus der Praxis. Es folgen verständliche Begriffsklärungen, Phänomenbeschreibungen, teilweise mit Präventionsvorschlägen, und schliesslich eine Zusammenfassung in Form von Merksätzen. Der Autor erklärt deutlich, dass Gewalt vielseitig und vielschichtig auftreten kann und dementsprechend differenzierte Interventions- und Präventionsmassnahmen notwendig sind. Der
Begriff Gewalt ist ein Konstrukt und kein real einheitliches Phänomen, dem eine einheitliche Ursache zu Grunde liegen würde und das mit einer einheitlichen Methode bekämpft werden könnte. Das Buch ist ein leicht überblickbares Nachschlagewerk, bietet Einblicke in die Formen der Jugendgewalt und kann als Einstieg ins Thema empfohlen werden. 



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