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Jugendliche und moderne Medien
Tritt ein Jugendlicher eine Lehrstelle an, wird in fast jede Branche eine gewisse Computererfahrung des Auszubildenden vorausgesetzt. Beinahe alle haben schon in der Primarschule ein Natel. Und wer am Montagmorgen nicht von der neusten Irgendwer-sucht- Irgendwen-Sendung erzählen kann, sieht ziemlich «alt» aus.
Von Renato Hüppi*
Pfäffikon. – Seit der digitalen Revolution in den 1990er-Jahren ist der Druck der Gesellschaft auf die Individuen, insbesondere auf die jüngeren, beständig gestiegen. Einerseits muss man jedes neue Gadget, ob nun MP3-Player, die neuste Spielkonsole oder das aktuellste Handy, besitzen, um «in» zu sein. Andererseits gibt es immer weniger Jobs, in welchen man mit wenig oder gänzlich ohne Computerkenntnisse auskommt. Hinzu kommt die Problematik, dass die Jugendlichen bei Problemen mit den neuen Medien mehrheitlich auf sich selbst gestellt sind. Oftmals fehlen bezüglich Inhalts der konsumierten «Pixelsauce» das Interesse und die Kontrolle der Erwachsenen.
Nicht ohne mein Handy Die Mehrheit der Jugendlichen, die im Jugendzentrum der Gemeinde Freienbach verkehrt, meint, dass ihre Eltern kaum einschreiten, wenn sie längere Zeit vor dem Computer oder Fernseher verbringen würden. Wenn, dann sind es eher mahnende Worte. Konsequenzen gibt es so gut wie nie. Zudem übernehmen viele Eltern die Handykosten ihrer Kinder. Wobei sich die monatlichen Kosten meist irgendwo zwischen zehn und 30 Franken bewegen. Die Spezies der handylosen Jugendlichen kann man mittlerweile als ausgestorben betrachten. Keiner der Jugendlichen der Gemeinde Freienbach kennt jemanden, der kein Natel besitzt. Und die meisten bezeichnen es als härteste Strafe, wenn ihnen die Eltern ihr Handy wegnehmen würden. Bezüglich Handyvideos oder Bilder mit gewalttätigen oder pornografischen Inhalten ist der Tenor der Jugendlichen jedoch klar. Sie meinen, nur eine verschwindend kleine Menge von Jugendlichen hätte solche Inhalte auf dem Handy gespeichert und zeige diese herum. Und wenn, dann sei es vor allem aus dem Grund, um die Aufmerksamkeit der Mitschüler zu wecken. Auch über Probleme mit den neuen Medien wissen die Jugendlichen zu berichten. Firmen, die vordergründig kostenlos Klingeltöne oder Spiele anbieten, bereiten Schülern und deren Eltern immer wieder Schwierigkeiten. Nicht selten verstecken sich hinter den vermeintlich guten Angeboten «Abzocker-Firmen», die es darauf abgesehen haben, die Natel-Rechnung nichtsahnender Teenager mit überteuerten Bestellnummern oder Bestell- SMS in schwindelerregende Höhen zu treiben.
Filme ab 18 – kein Problem Was gewaltverherrlichende Inhalte angeht, sieht die Realität bei Filmen und Computerspielen im Vergleich zu Gewalt-Szenen auf den Handys leider etwas anders aus. Die meisten Jugendlichen sehen sich mehr oder weniger regelmässig Filme an oder spielen am PC Spiele, die nicht für ihre Altersstufe freigegeben sind und Gewalt thematisieren. Einerseits werden Filme und Spiele jeglicherArt im Internet heruntergeladen, andererseits überprüfen nur wenige Läden das Alter ihrer Kunden.Auch achten nicht alle Eltern darauf, was sich ihre Kinder im Fernseher anschauen. Hinzu kommt, dass viele Jugendliche in ihrem Zimmer über einen eigenen Fernseher verfügen.
Anzeichen für ungesunden Umgang Anzeichen für eine Sucht oder zumindest über einen ungesunden Umgang mit dem Computer sind da, wenn Jugendliche beispielsweise ihre sozialen Kontakte vernachlässigen und lieber am Computer sitzen. Oder wenn sie nervös und hippelig werden, wenn sie mal länger ohne den Computer auskomme müssen. Die Ohren spitzen sollte man auch dann, wenn über die verbrachte Zeit am Computer falsche Auskunft gegeben wird. In all diesen Fällen ist es wichtig, mit dem Jugendlichen das Gespräch zu suchen. Auch kann über allfällige Konsequenzen, wie beispielsweise Zeitbegrenzung oder ein Computer- Verbot, nachgedacht und mit dem Jugendlichen diskutiert werden.
Gefahren und Chancen Die «Pixelsauce» ist für Jugendliche nicht nur gefährlich, sondern bietet auch Chancen. Mit einem vernünftigen und offenen Umgang mit der digitalen Welt innerhalb der Familie, Freizeit und Schule können junge Menschen sich wichtige Kompetenzen für die berufliche Zukunft aneignen und ein gesundes Verhältnis zur sinnvollen Nutzung der diversen Unterhaltungs- und Arbeitsmedien entwickeln.
KOMMENTAR: SCHNELLE HILFE ZUR SELBSTHILFE
Von Franziska Zaugg*
Google weiss alles. Fast alles. Und dennoch ist es keinesfalls so, dass sich junge Leute, die mit multimediafähigen Mobiltelefonen, interaktivem Fernsehen und weltumspannenden Internetgemeinschaften aufwachsen, alle ihre Fragen mit Hilfe einer Suchmaschine selber beantworten können. Denn oft sind die Fragen zu individuell oder die Antworten zu gut versteckt im World Wide Web, als dass die Jugendlichen sich dort alleine zurechtfinden würden.
Mit dem Austausch von Informationen über neue Medien gehen junge Leute oft sehr spielerisch um, aber die Prüfungsangst, die Unstimmigkeit mit der besten Freundin, die Verunsicherung über die Entwicklung des eigenen Körpers oder das Bangen auf den Entscheid über die gewünschte Lehrstelle vermag einem selbst Google nicht zu nehmen.
Jugendliche brauchen deshalb heute ein Informations- und Beratungsangebot, das ihrem Medienverhalten gerecht wird, sie aber dennoch als menschliches Individuum behandelt und ernst nimmt.
Genau eine solche Möglichkeit bieten wir mit der Online-Plattform Tschau. Hier kriegen Jugendliche schnell und unkompliziert Hilfe bei brennenden Fragen zu ihrer Sexualität, ihrem Wohlbefinden, zu Schule und Job, zu Sucht und Drogen sowie zu ihrer gesamten Lebenswelt. Ohne Tabus und ohne Mahnfinger.
Zudem motivieren wir die jungen Leute mit Hinweisen auf weiterführende Informationen, sich vertieft mit Ihrem Thema auseinanderzusetzen. Das lohnt sich in doppelter Hinsicht, weil sie sich dadurch Zusätzliches Wissen aneignen und gleichzeitig ihre Fähigkeit verbessern, sich selber zu helfen.
Falls mit der anonymen Beratung per Internet keine genügende Hilfe möglich ist, werden die Jugendlichen ermutigt, professionelle Unterstützung in ihrer Umgebung aufzusuchen. Dazu können unsere Beraterinnen und Berater auf eine umfangreiche Adressdatenbank mit Beratungsstellen zugreifen. Damit Jugendliche mit ihren Fragen in unserem rund um die Uhr vernetzten globalen Dorf nicht doch plötzlich alleine dastehen.
*FRANZISKA ZAUGG, BERN, LEITET BEI DER SCHWEIZER KINDER- UND JUGENDFRÖRDERUNG INFOKLICK.CH DIE ONLINE BERATUNGSPLATTFORM TSCHAU.CH.
Mit den digitalen Medien die Kontakte in der Realität pflegen
Auch im Jugendzentrum braucht es einerseits ein offenes Ohr für «digitale» Probleme und andererseits klare Regeln, was das Eintauchen in die digitale Welt betrifft.
Von Renato Hüppi*
Pfäffikon. – Auch in der Jugendkontaktstelle Freienbach sind die digitalen Medien ein Thema. Mittlerweile ist jeder Jugendliche immer und überall erreichbar, und die Angebote des Jugendzentrums der Gemeinde Freienbach, wie der Kinoraum mit Grossleinwand und der Internetraum mit fünf PC-Stationen werden rege genutzt. Die Jugendarbeit der Gemeinde Freienbach hat zehn Jugendliche im Alter zwischen 13 und 15 Jahren über ihren Umgang mit den digitalen Medien befragt. Für die Jugendlichen ist klar: Natel, Fernseher und Computer sind unverzichtbare Alltagsgegenstände. Und dies nicht nur, um alleine zuhause auszuspannen, sondern um den Kontakt mit anderen Mitmenschen zu pflegen. Sei es nun, um spontan die Kollegin zu fragen, ob sie auch ins Seedi kommt, oder man einfach per SMS ein bisschen flirten will. Auch gibt es Eltern, die möchten, dass ihr Kind erreichbar ist. Durch das Chatten, «SMSlen» oder Austauschen über die neueste Folge einer Fernsehserie ist man immer auf dem neusten Stand bezüglich des Kollegenkreises.
Jugendliche sind sensibilisiert Das Auseinanderhalten der beiden Welten fällt zumindest den zehn befragten Jugendlichen meist nicht schwer. Man merke es bei Kollegen meist relativ gut, wenn sie «süchtig» seien und kaum mehr aus der «künstlichen» Realität herauskämen, meinten die Befragten. Vor allem bei Videospielen sei es ab und zu so, dass Freunde Nächte durchspielten und kaum mehr von der Flimmerkiste loskämen. Es zeige sich dann, wenn sich jemand plötzlich an den Mittwochnachmittagen und an den Wochenenden nicht mehr gross melde und lieber zu Hause bleibe, anstatt etwas mit Schulfreunden zu unternehmen. Allerdings spreche man einander selten darauf an. Schliesslich sei dies ja jedem und jeder sein beziehungsweise ihr eigenes Leben.
Klare Regeln Im Jugendzentrum der Gemeinde Freienbach gelten diesbezüglich klare Regeln für Internet- und Kinoraum. Erstens ist klar geregelt, dass der Konsum von Filmen, Spielen und Inhalten von Internetseiten, die nicht jugendfrei sind, verboten sind. Und zweitens ist reglementiert, wie lange man sich vor dem jeweiligen Bildschirmaufhalten darf. Beim Konsum der jeweiligen Medien kommt es jedoch selten zu Problemen zwischen den Jugendarbeitenden und den Jugendlichen. Dies kann unter anderem auch daran liegen, dass es schnell langweilig wird, sich alleine vor dem PC virtuell mit anderen auszutauschen. Meist wechselt man dann doch lieber wieder in die Realität und unterhält sich mit jemandem aus Fleisch und Blut.
Websites zum Thema Jugend und Medien:
Schweizer Kinder- und Jugendprojektförderung: www.infoklick.ch Online-Beratung für Jugendliche zu Themen wie Sexualität, Drogen oder Schule: www.tschau.ch Allgemeine Informationsplattform für Jugendliche: www.leitstelle.ch Liste aller offenen Lehrstellen des Kantons Schwyz: www.lehrstellen-sz.ch Sozialpsychiatrischer Dienst des Kantons Schwyz: www.spd.ch Digitale Medien und Jugendliche: www.ideel.ch/mww/themenwahl.htm Internetseite für Eltern mit diversen Surftipps für ihre Kinder: www.zebis.ch Schweizerisches Institut für Kinder und Jugendmedien: www.sikjm.ch
Über diese Seite «Brücke zur Jugend» erscheint heute zum neunten Mal im «Höfner Volksblatt» und behandelt das Thema «Jugendliche und digitale Medien». Es wird der Frage nachgegangen, wie Jugendliche mit diesen und ohne sie zurechtkommen.
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