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Öffentlichkeitsarbeit/Archiv 07/Interview mit Verena Weber

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«Ich gehe auf die Jugendlichen zu»

Verena Weber, Leiterin der Jugendkontaktstelle Freienbach, sprach mit unserer Zeitung über Jugendliche und Jugendarbeit, aktuelle und zukünftige Projekte sowie Neuigkeiten zum Ausbildungsplatz auf der Jugendkontaktstelle.

Von Manuela Talenta

Verena Weber, Sie sind seit 1. September 2006 die Leiterin der Jugendkontaktstelle Freienbach in Pfäffikon. Wie haben Sie angefangen?
Verena Weber: Ich hatte einen guten Start. Der Schwerpunkt lag beim Kennenlernen der Gemeinde, der Schulen und Jugendlichen. Nebenher hatte ich recht viele Termine mit allen sozialen Institutionen der Gemeinde Freienbach. Es war super, wie mich die Gemeinde aufgenommen und akzeptiert hat. Ich schätzte vor allem die Offenheit und die Bereitschaft des Gemeinderats, etwas mit den Jugendlichen zu machen.
Gab es Schwierigkeiten?
Weber: Eigentlich nur die üblichen, wenn man an einem Ort neu anfängt: das Zurechtfinden im neuen Job oder neue Abläufe kennen lernen. Auf Ablehnung bin ich nicht gestossen – im Gegenteil.
Worauf führen Sie das zurück?
Weber: Einerseits auf die offene Grundeinstellung der Gemeinde Freienbach, andererseits bin ich selbst ein sehr offener und kommunikativer Mensch, der auf die Leute zugeht. Beispielsweise begrüsse ich die Jugendlichen, die ich noch nicht kenne, mit Handschlag und frage nach ihren Namen. Und auch ich stelle mich ihnen vor. Ich denke, diese Offenheit und dieses Zugehen auf die Menschen hat mir Schwierigkeiten erspart.
Wie haben die Jugendlichen auf Sie reagiert, nachdem sie jahrelang mit Ihrer Vorgängerin Gabriella Maspoli verbunden waren?
Weber: Dass sie Gabriella sehr schätzten, habe ich gemerkt. Ich hatte den Vorteil, dass ich bereits vor der Übergabe mit ihr Kontakt hatte. Ich wusste also, was mich erwartete. Sie war schon allgegenwärtig, und die Jugendlichen haben ihr nachgetrauert. Aber sie waren auch neugierig auf mich und versuchten, herauszufinden, wo meine Grenzen sind. Es war für sie auch wichtig, dass Gabriella noch einmal ins «Up Rock» zu einer Party kam. So konnten sie sich noch einmal von ihr verabschieden.
Wie reagieren die Jugendlichen heute auf Sie?
Weber: Im Grossen und Ganzen ist es gut. Wir pflegen einen respektvollen Umgang miteinander, und die Jugendlichen haben Vertrauen gefasst. Ich hatte bereits einige ganz gute Einzelgespräche und habe den einen oder anderen auch begleitet, wenn ein Gang zu anderen Behörden nötig wurde und so weiter. Ich habe das Gefühl, dass vor allem Mädchen gut auf mich reagieren – zumal zirka 40 Prozent unserer Besucher weiblich sind. Und das freut mich tierisch. Jungs sind etwas anders im Umgang, und hier kommt mir zugute, dass es einen männlichen und einen weiblichen Jugendarbeiter gibt.
Was sind die Probleme der Freienbacher Jugendlichen?
Weber: Hauptsächlich begegnen mir in der Jugendkontaktstelle schulische und familiäre Probleme. Was ich auch immer anzusprechen versuche, ist die Drogenproblematik. Das Kiffen und so weiter sehe ich schon als Problem, aber die Jugendlichen natürlich nicht.
Welche Projekte sind zurzeit aktuell?
Weber: Erstens die Vernetzung der Jugendarbeit in der Region Höfe – vor allem mit der Gemeinde Wollerau. In der  Gemeinde Freienbach stehen wir in engem Kontakt mit den reformierten Jugendarbeitern. Wir schauen aber auch weiter, das heisst über die Kantonsgrenzen hinaus in Richtung Zürich. So treffen sich die Jugendarbeiter von Freienbach alle zwei bis drei Monate mit denjenigen aus dem angrenzenzenden Bereich des Kantons Zürich wie beispielsweise Richterswil und Wädenswil. Meistens ist es doch so: Vieles, was in Zürich aktuell ist, erreicht irgendwann auch Pfäffikon. Aktuell ist momentan auch unsere «Zero-Limit»-Bar. So haben wir beispielsweise einen Shaker-Kurs angeboten und waren auch beim Pine Wood Race mit der Bar vertreten – übrigens mein erster Einsatz. Als Nächstes bauen wir sie am Singfestival diesen Monat und an der Jungbürgerfeier im Juni auf. Ebenfalls aktuell ist unser Jahresprojekt «Wir sind Freienbach». Bei der nächsten Sitzung der Jugendkommission werden die Beiträge der Jugendlichen prämiert. Auch läuft im Moment unser spezielles Ferienprogramm, unter anderem mit einem Jodo-Kurs, der seinen Abschluss mit einer Filmvorführung fand. Ausserdem stehen diverse Partys an. Auch die Seite «Brücke zur Jugend» im «Höfner Volksblatt» finde ich super. Es ist toll, eine solche Plattform für die Jugendlichen zu haben.
Welche Projekte wurden bereits abgeschlossen?
Weber: In erster Linie «Der heisse Stuhl». Hierbei standen sich Polizisten und Jugendliche in einer Frage-/ Antwortrunde gegenüber. Etwa 25 Jugendliche nahmen an diesem Projekt teil – vor allem solche, die dieses Thema direkt betrifft und von denen ich gehofft habe, dass sie dabei sind. Im Rahmen dieses Projekts konnten wir eine Woche später auch den Hauptposten Lachen besuchen. Das war super. Mit dem heissen Stuhl konnten Jugendliche und Polizisten etwas zusammengebracht werden. Ebenfalls kürzlich abgeschlossen haben wir eine Veranstaltung im Jugendzentrum im Rahmen des Projekts «Global Kids», das von der Kommission für Jugendfragen und Prävention nach Pfäffikon geholt wurde. Es war genial, was die Jugendlichen hierbei geleistet haben. Es waren etwa zehn Teenager, die sich in dieses Projekt reingehängt haben. Ebenfalls haben wir DJ-Kurse angeboten, an denen etwa 30 Jugendliche teilgenommen haben. Des Weiteren haben wir wieder den Jahresbericht verfasst. Was vor allem im Winter gut angekommen ist, war das Projekt «Sport am Sonntag », wobei die Jugendlichen – vor allem bei schlechtem Wetter – mit uns zwei bis drei Stunden in der Turnhalle Brüel Sport treiben konnten. Ausserdem besuchten uns verschiedene Vereine, was ich sehr begrüsse. Auch der Gemeinderat war hier.
Das klingt, als wären alle diese Projekte erfolgreich gewesen.
Weber: Im Grossen und Ganzen schon.Vor allem die Jugendlichen haben grossartige Arbeit geleistet. Nicht ganz so erfolgreich war «Global Kids» und «Wir sind Freienbach» – zumindest von Seiten der Bevölkerung. Ich habe das Gefühl, dass sie sich nicht wirklich beteiligt oder interessiert hat. Aber vielleicht ist das auch einfach normal, denn wir sind ein Jugendhaus, und im Endeffekt sind wir natürlich für die Jugendlichen und nicht direkt für die Bevölkerung da. Vielleicht habe ich aber auch zu hohe Ansprüche.
Was haben Sie punkto Jugendarbeit als Nächstes vor?
Weber: Ich möchte sicher das Projekt «Wir sind Freienbach» weiterführen. Ausserdem stehen die Thementage Leutschen an. Das sind zwei Tage, die wir im Schulhaus Leutschen in Freienbach verbringen und an dem wir zusammen mit den Lehrern unter anderem einen Workshop mit dem Thema «Respekt» absolvieren. Ausserdem steht am 16. Mai der Aids-Truck auf dem Pfäffiker Dorfplatz. Dabei wird Jugendarbeiter Martin Angehrn mitwirken. Ebenfalls bald aktuell ist eine Party für die Jugendlichen der ersten Oberstufe, die uns angefragt haben, und die an einem Freitag – noch vor Ende Jahr – stattfindet.
Was haben Sie mittel- und langfristig vor?
Weber: Mittelfristig möchte ich das nächste Schuljahr in Angriff nehmen. Wir sind auch dabei, die hiesige Struktur zu überdenken: Was war gut, was können wir vielleicht anders machen? Die Öffnungszeiten werden auch – wie jedes Jahr –  wieder überdacht. Ebenfalls überlegen wir, ob wir die Jugendkontaktstelle auch für die jüngere Klientel öffnen sollen, denn die Probleme der Jugendlichen betreffen immer öfter auch jüngere Menschen – oft schon Primarschüler. Langfristige Vorhaben zu benennen ist schwierig. Was wir sicher im Blick haben, ist die Beziehungsarbeit. Es ist beispielsweise schön, wenn Jugendliche wieder kommen, die bereits in der Lehre sind oder sogar schon im Berufsleben stehen. Das ist Beziehungsarbeit, von der man auch profitieren kann. Ebenfalls im Blickwinkel ist für mich das Interesse der Bevölkerung. Möglicherweise unternehme ich diesbezüglich eine Anstrengung in Form einer Umfrage oder Ähnliches. Ein wichtiges Thema wird auch die Prävention sein. Wir wollen einen Beitrag leisten gegen Drogen, Gewalt und Alkohol, wobei Letzteres momentan kein Problem darstellt. Das liegt möglicherweise auch daran, dass wir bei uns einige muslimische Jugendliche haben, deren Religion den Genuss von Alkohol verbietet. Dazu muss ich sagen, dass ich Respekt vor denjenigen Jugendlichen haben, die dieses Verbot auch wirklich ernst nehmen.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Jugendarbeiter Martin Angehrn?
Weber: Sehr gut. Wir sind ein tolles Team und ergänzen uns hervorragend. Ausserdem ist er mir von Anfang an zur Seite gestanden. In Dingen, die beispielsweise mir nicht so liegen, ist Moody spitze und umgekehrt. Ein weiterer Vorteil ist, dass er wirklich jeden kennt, weil er schon seit Jahren als Jugendarbeiter in der Gemeinde Freienbach tätig ist.
Was gibt es Neues bezüglich der Ausbildungs- respektive Praktikumsstelle auf der Jugendkontaktstelle Freienbach?
Weber: Ich habe diese Angelegenheit vor zwei Wochen konkret in Angriff genommen. Es läuft so: Wir müssen von den Hochschulen aufgenommen werden, damit sie uns Praktikantinnen und Praktikanten respektive Auszubildende überlassen. Ich habe sowohl in Zürich als auch in Luzern angefragt. Im Endeffekt wird es jemand sein, der in einem 60-Prozent-Pensum auf der Jugendkontaktstelle arbeitet – für zirka ein Jahr. Danach ist der Platz frei für jemand anders. Das ist uns wichtig, denn wir wollen eine Stelle bieten, in der immer wieder andere die Möglichkeit haben, nachzurutschen. Nun hängt es noch an den beiden Hochschulen, ob sie uns als Ausbildungsstelle akzeptieren respektive annehmen wollen oder nicht. Die Chancen stehen gut, dass die Ausbildungs- respektive Praktikumsstelle im neuen Schuljahr besetzt sein wird.


Steckbrief
Name:Verena Weber
Geburtstag: 27. Juni 1976
Wohnort: Horw (LU)
Zivilstand: ledig
Beruf: Leiterin der Jugendkontaktstelle Freienbach, Ausbildung an der Fachhochschule für soziale Arbeit
Hobbys: Sport (biken, joggen),Familie, Freunde, lesen
Stärken: offen, kommunikativ, ehrlich, optimistisch
Schwächen: direkt, impulsiv

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