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Zeitungsartikel: Zürisee Zeitung - March Höfe, 26. April 06
Freienbach biete die idealen Grundlagen für eine erfolgreiche Jugendarbeit, sagt Gabriella Maspoli. Die Jugendarbeiterin wird nach fünfeinhalb Jahren eine neue Aufgabe anpacken. Von Ursula Spillmann
Vor fünfeinhalb Jahren haben Sie mit der Jugendarbeit in Freienbach begonnen. Was hat sich seither geändert? Garbriella Maspoli: Vor fünf Jahren waren für Jugendliche vorwiegend Freizeitbeschäftigungen oder einfach so Herumhängen wichtig. Heute beschäftigen sie sich vermehrt auch in ihrer Freizeit mit Themen wie Schule, Lehrstellensuche oder Kulturkonflikten. Dies sind auch die Punkte, wo die Jugendarbeit anknüpfen muss. Schön ist, dass die Zusammenarbeit mit Schule, Behörde und Vereinen in Freienbach stattfindet. Das zeigt mir, das meine Aufbauarbeit in dieser Beziehung erste Früchte trägt.
Die Jugendkontaktstelle in Pfäffikon besteht bereits seit mehr als zehn Jahren. Freienbach ist auch die einzige Gemeinde weit und breit, die eine gut funktionierende Jugendarbeit hat. Was ist das Geheimnis? Für eine gut funktionierende Jugendarbeit braucht es vier Standbeine. Sie müssen gut zusammenpassen, so wie bei einem Tisch. Fehlt ein Bein, so beginnt der Tisch zu wackeln. Zu den vier Beinen oder auch Pfeilern gehören eine gute Infrastruktur, eine gute Unterstützung von Politikern oder Schlüsselpersonen, eine gute Entlöhnung der Jugendarbeiter wie aber auch eine professionelle Ausbildung von mindestens einer Jugendarbeiterin oder einem Jugendarbeiter. Freienbach bietet alle vier «Beine», und dies seit mehr als zehn Jahren.
Braucht es überhaut eine Jugendarbeit? Früher war das ja auch nicht nötig. Gegenfrage: Braucht es Coop, Migros oder Denner? Vor Jahren haben doch Tante-Emma-Läden auch genügt. Nein, im Ernst, die Zeiten haben sich eben geändert. Jugendliche möchten Teil der Gesellschaft sein, und zwar mitten drin und nicht nur am Rande. In der Raumplanung der Gemeinden erhalten sie am wenigsten Platz, und wenn, dann eben nur ausserhalb, wo sie nicht stören.
Was ist wichtig im Umgang mit den Jugendlichen? Wichtig ist, offen, ehrlich und direkt auf sie zuzugehen und sie ernst zu nehmen. Vorurteile unter Jugendlichen können mit gemeinsamen Erlebnissen, wie zum Beispiel Tanzkursen, gut abgebaut werden. Für Jugendarbeiter gilt es, von Zeit zu Zeit Rückschau zu halten und seine Arbeit kritisch zu hinterfragen: Wo bin ich? Welche Ziele sind wichtig und was habe ich bisher erreicht? Erst wenn man mit sich selber ins Reine gekommen ist, kann man mit neuem Elan weitergehen Können Sie uns etwas über die Freuden und Leiden der Jugendarbeiterin Gabriella Maspoli verraten? Da gibt es viele kleine Freuden und Freudchen, so zum Beispiel die Begeisterung der Jugendlichen beim Mitmachen oder das Erfolgsgefühl, nachdem etwas gelungen ist. Freude bereitet aber auch ein gegenseitiger ehrlicher Händedruck mit einem Jugendlichen nach einer Auseinandersetzung. Schön ist das Gefühl, wenn ich spüre, dass ich Bezugsperson geworden bin. Vor allem werde ich aber auch die Zusammenarbeit mit Moody Angehrn vermissen. Daneben gab es auch traurige Momente, etwa wenn ich erfuhr, dass mein Vertrauen missbraucht worden war. Auch wenn ich mich als Soziokulturelle Animatorin FH auf meine professionelle Ausbildung stützen kann und um diese Problematik weiss, trifft es mich doch immer wieder persönlich.Zeitweise Mühe habe ich auch mit der Unverbindlichkeit der Jugend. Gewisse Sachen müssen einfach geplant werden, und dazu braucht es verbindliche Anmeldungen, die auch eingehalten werden.
Ende Juni werden Sie Freienbach und die Jugendarbeit verlassen und die Leitung des Quartierzentrums Aussersihl im Zürcher Stadtkreis 4 übernehmen. Was nehmen Sie aus Ihrer Freienbacher Zeit mit? Viele positive Begegnungen mit Menschen und den reichen Erfahrungsschatz mit den Jugendlichen. Wenn auch künftig meine Zielgruppe nicht nur noch Jugendliche sind, weiss ich, dass für mich die Arbeit an der Front wichtiger sein wird als die Büroarbeit.
Was waren im Rückblick die wichtigsten Stationen und Projekte? Vorerst habe ich alle Bereiche der Jugendarbeit kennen gelernt. Wichtig für mich war, dass es mir gelang, die Zusammenarbeit mit den Schulen aufzubauen. So konnten wir einige Workshops durchführen, zum Beispiel mit den Themen Respekt, Gewalt, Vorurteile und Rassismus. Ein wichtiges Projekt war, die Zero-Limit-Bar umzusetzen und bekannt zu machen. Die Bar, an der Jugendliche alkoholfreie Drinks mixen, kommt inzwischen im Jahr zehn- bis zwölfmal zum Einsatz. Es gibt aber noch viele andere schöne Erlebnisse, wie die Videoarbeit mit den Mädchen oder das Tanzlager im Tessin vom letzten Frühling.
Was sind für Sie die wichtigsten Anliegen und Wünsche für die künftige Jugendarbeit? Jugendarbeit soll nicht nur im Jugendzentrum, sondern in der Öffentlichkeit stattfinden. Das habe ich immer wieder zu fördern versucht, so etwa mit der Zero-Limit-Bar oder einem Marktstand. Wir wollen keine Insel bleiben, sondern Vorurteile abbauen und Raum schaffen für vernetztes Denken. Die Jugendarbeit soll Vermittlerin zwischen Jugendlichen, Behörden und Bürgern sein. Ebenso gehört dazu, Jugendliche zu unterstützen und zu begleiten, wenn sie ihre Anliegen umsetzen wollen.
In zwei Monaten heisst es Abschied nehmen. Steigt ein Abschiedsfest? Es fällt mir nicht leicht. Doch beim grossen Open-Air-Sommerfest am 10. Juni gibt es sicher einen Platz für meinen Abschied. Zuvor habe ich noch einiges zu erledigen. Meine Nachfolge soll möglichst viele Informationen über die Freienbacher Jugendarbeit finden, über den Ist-Zustand und die Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Und dann ist da ja auch noch Moody Angehrn, der mit seiner sechsjährigen Erfahrung zur Verfügung steht.
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