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Öffentlichkeitsarbeit/Archiv 06/Jugendarbeit ist mein Traumjob

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Zeitungsartikel: Zürichsee Zeitung, 8. September 2006, Bericht von Thomas Kümin

Verena Weber nimmt kein Blatt vor den Mund. Wegen ihrer direkten Art und Offenheit glaubt sie, einen guten Draht zu den Jugendlichen zu finden. Deren Probleme wie Gewalt und Drogen will sie mit Bauch und Lehrbuch angehen.

Das Büro an der Churerstrasse 15 in Pfäffikon lässt ahnen, dass hier nicht kühler Geschäftssinn herrscht. An der Wand lehnen Billiardqueues, gleich neben einer Kiste Tischtennis-Schläger und einem Bücherregal mit Literatur. Rubriken wie «Liebe und Sex» finden sich dort, oder «Alkohol und Drogen». Plakate mit einem Joint oder einer Alcopopflasche drauf verkünden das Stichwort Prävention. Zwei Schreibtische stehen am Ende des hellen Raums. Einer davon gehört Martin «Moody» Angehrn, der gerade krankgeschrieben ist. Am andern blättert Verena Weber durch Akten, Broschüren und Unterlagen, die die ganze Tischfläche beanspruchen. Die Nachfolgerin von Gabriella Maspoli, der ehemaligen Leiterin der Jugendkontaktstelle der Gemeinde Freienbach, arbeitet sich in ihren neuen Job ein und lernt das neue Umfeld kennen. Vor einer Woche gestartet, ging sie mit ihrem Vorgesetzten Christian Stauffacher auf eine Tour durch die Gemeindeverwaltung, besuchte Sitzungen der Jugendkommission sowie der regionalen Kommission Jugendfragen und Prävention, öffnete am Mittwochnachmittag zum ersten Mal seit zwei Monaten wieder die Tore des Jugendraumes «Switch», half beim Endurance Day der MPS Weid-Leutschen mit und stellt sich heute Freitag den Schulleitern der Gemeinde vor. Der Auftritt beim Gemeinderat und die Einladung an die neuen Oberstufenschüler von Freienbach stehen noch an.
Trotz vollgestopftem Programm findet Weber Zeit für ein Interview. Am runden Tisch gibt sie Antworten frisch von der Leber weg. «Ich bin eine sehr offene Person», sagt sie. Tatsächlich. Die neue Jugendarbeiterin scheut sich nicht, ihre lebhaften Ausführungen auch mal zu widerrufen, zu sagen, dass sie schon etwas nervös sei und ihr heute aber auch keine geraden Sätze über die Lippen kommen. Das macht sie sympathisch und erfrischend. Plattitüten und Satzkonserven gibts bei Verena Weber nicht zu hören.


Lieblingsthema: Menschen

Die 30-jährige gebürtige Deutsche zog mit ihrer Familie vor 14 Jahren in die Schweiz, ins luzernische Entlebuch. Ihren beruflichen Einstieg fand sie im kaufmännischen Bereich. Vor zwei Jahren bot sich ihr aber die Chance zum ersehnten Branchenwechsel. Sie wechselte als pädagogische Betreuerin in ein Studienheim. «Als Kauffrau war ich nie ganz glücklich, ich fand die Arbeitsatmosphäre immer relativ kühl. Die Jugendarbeit ist mein Traumjob. Ich befasse mich am liebsten mit Menschen», betont sie. Umso glücklicher ist Verena Weber, die heute in Luzern wohnt, die verantwortungsvolle Stelle als Jugendkontaktstellenleiterin in Freienbach gekriegt zu haben. Sie befindet sich noch in Ausbildung, besucht seit einem Jahr berufsbegleitend die Fachhochschule für Soziale Arbeit in Olten. Zu ihren Qualifikationen zählt sie, den Draht zur Jugend nie verloren zu haben, sich intuitiv in deren Probleme und ihre Welt einfühlen zu können. «Zu meiner Familie beispielsweise habe ich eine sehr enge Beziehung. Ich habe sechs Geschwister, fünf davon sind zwischen 10 und 17 Jahre alt.» Sie sei die Älteste.


Respekt und Vertrauen

Hauptsächlich ihre Intuition und ihr Verständnis für die Anliegen der Jugendlichen will Weber dazu einsetzen, deren Probleme zu lösen. «Das Lehrbuch ist mir weniger wichtig als Entscheide aus dem Bauch heraus, die sich bei mir oft als richtig herausstellten. Aber wenn eine Methode aus der Theorie auch praktisch funktioniert, werde ich sie anwenden.» Ein Patentrezept gegen die viel thematisierten Probleme der Teenager – Gewalt und Drogen – kennt sie nicht. Und die Methoden, die sie anwenden will, sind auch nicht neu. Aber der temperamentvollen Verena Weber will man glauben, dass sie mit ihrer Persönlichkeit die Jugendlichen unterstützen und begleiten kann. Im Jugendtreff «Switch» gilt null Toleranz für Drogen und Alkohol, und bei einer Schlägerei, versichert die zierlich gebaute Jugendarbeiterin, würde sie dazwischengehen. So weit soll es aber nicht kommen. Verena Weber will, sobald entsprechende Reibungen auftreten, zerstrittene Parteien an einen Tisch bringen, das Problem ausdiskutieren. «Leute, die Gewalt anwenden, wissen sich nicht anders auszudrücken.» Generell will sie die Eigenverantwortung der Jugendlichen fördern, diese mit Aufklärung, Vertrauen und Prävention fördern. Sowie allen mit Respekt begegnen, die Jungen gleich wie die Erwachsenen ernst nehmen. Das alles gilt jetzt aber noch als Theorie. Denn nach erst sieben Tagen im Job, sagt die neue Jugendarbeiterin, will sie erstmal Kontakte knüpfen und die «Hot Spots», die Problempunkte der Gemeindejugend, kennenlernen. Und danach, zusammen mit ihrem bis dann wieder genesenen Kollegen Moody Angehrn, entscheiden, wie das neue Programm im «Switch» aussehen wird. Im Moment ist das Switch am Mittwochnachmittag und ziemlich sicher ab 23. September auch wieder am Freitag geöffnet.

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